Die Idee hinter dem Versuch

Die ordnungsgemäße und dem Pflanzenbedarf angepasste Düngung ist ein Grundsatz der guten fachlichen Praxis. So sind für die Düngung nach der Hauptfruchternte im Sommer/Herbst Neuregelungen zu beachten, die mit der Düngeverordnung seit 02. Juni 2017  rechtskräftig geworden sind. Diese werden ausführlich auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Begrenzung der Düngung im Sommer/Herbst beschrieben. Auf der Seite der Landwirtschaftskammer (ganz unten) findet sich auch die Entscheidungsmatrix, mit der sich Landwirte einen guten Überblick der möglichen und rechtskonformen Maßnahmen schaffen können.

Damit wird jedoch nur der rechtliche Rahmen abgedeckt. Für den Gewässerschutz muss man weitreichendere Gesichtspunkte betrachten. Dazu später mehr.

Zwischenfruchtanbau nach Getreide

Für unsere Arbeit im Gewässerschutz wollen wir an dieser Stelle, bezogen auf den Zwischenfruchtanbau nach Getreide, einen unserer Versuche vorstellen. Dieser Versuch wurde in Zusammenarbeit mit der Pape & Brandt GbR in Eitzte angelegt und soll sich näher mit dem Thema Stickstoffnachlieferung aus Zwischenfrüchten beschäftigen.

Sehr oft stellen sich Betriebsleiter die Frage welche Stickstoffmengen eine Zwischenfrucht an die nachfolgenden Kulturen weiterreichen kann und welche Versorgungsgrundlage die Zwischenfrucht für das eigene Wachstum benötigt. Stellt man sich vor, dass die Nmin Werte im Boden nach der Getreideernte stark schwanken können (eigene Untersuchungen aus 2017 lagen zwischen 20 und 70 kg N/ha) und zeitgleich mit großer Wahrscheinlichkeit Auswaschung sowie weitere Mineralisation stattfinden, lässt sich die eingangs gestellte Frage nicht einfach beantworten.

Der Versuchsaufbau wird im Folgenden dargestellt. Unter Berücksichtigung der 30/60-Regelung wurde die N-Düngebedarfsermittlung für Gründüngungszwischenfrüchte (keine Leguminosen) mit Aussaat bis 15.9. nach Getreidevorfrucht und mindestens 8 Wochen Standzeit durchgeführt.

Variante Beschreibung Max. org. Düngung [m³/ha] N-Anrechenbarkeit [%] N-Angebot [kg/ha]
1 Keine ZF/ Keine Düngung 0 / 0
2 Mit ZF / Keine Düngung 0 / 0
3 Mit ZF/ Gärrest 8 70 21
4 Mit ZF / Gärrest 15 70 40

Gewässerschutz

Das die so genannte Andüngung des Zwischenfruchtbestandes nicht notwendig ist, zumindest nicht in dem Maße wie es die berechnete maximale Ausbringmenge ermöglicht, wird schon deutlich wenn man die Nmin-Werte nach der Ernte oder im Herbst betrachtet.

Für den Grundwasserschutz bedeuten Zwischenfrüchte die Bindung von überschüssigem Stickstoff in er Biomasse. Stickstoff der nach der Ernte auf dem Feld verbleibt und im Herbst mineralisiert wird, kann durch winterharte Zwischenfrüchte die im Frühjahr eingearbeitet werden am besten vor Auswaschung geschützt werden.

Bei den Zwischenfrüchten verhält es sich wie bei den Hauptkulturen…die nach der Saat folgende Witterung ist nur schlecht vorhersehbar und Wetterextreme können zu einem ganz anderen Verlauf der Situation führen. Im schlimmsten Falle kommen so eine Andüngung der Zwischenfrucht mit einem bereits hohen Nachernte-Nmin-Wert sowie einer starke Nachmineralisation zusammen. Und folglich erreicht man das Gegenteil von dem was mit dem Zwischenfruchtanbau erzielt werden sollte.

Auch wenn sich Zwischenfrüchte für eine effiziente Verwendung von organischen Düngern anbieten ist das Risiko einer Auswaschung von Stickstoff sehr hoch. Deshalb empfiehlt es sich generell die Zwischenfruchtbestände nur sehr verhalten oder besser überhaupt nicht anzudüngen.

In unserem Versuch wollen wir deshalb auch ganz explizit die Variante ohne Düngung hervorheben.

 

30/60-Regelung und N-Bedarf

Die maximale Ausbringmenge des Gärrestes wird durch die 30/60-Regelung vorgegeben, die für organische sowie mineralische Düngemittel gilt. Demnach wird hier zuerst die macximale Grenze von 30 kg-NH4N mit einer Ausbringmenge von aufgerundet 15 m³ erreicht. Die 60 kg-Ngesamt Grenze wird mit diesem Gärrest bei aufgerundet 16 m³ erreicht, so dass hier auch keine erheblichen Unterschiede bei der auszubringenden Menge vorliegen.

Weiterhin ist der Standort weder langjährig organisch gedüngt (d.h. per Definition liegt er unter 13 mgP/100gBoden) noch humusreich (d.h. der Humusgehalt liegt unter 4 % und die Humusklasse ist nicht „h, sh, a, H/M“). Somit liegt der N-Düngebedarf für die Gründüngungszwischenfrucht unter den Voraussetzungen

  1. Vorfrucht = Getreide (hier: Winterroggen)
  2. Folgefrucht =  Feldfutter (bis 15.9.), Winterraps (bis 15.9.), Wintergerste (bis 1.10.) oder Gründüngungszwischenfrucht (bis 15.9.)
  3. Boden: langjährig organischt gedüngt und/oder humusreich? = NEIN

bei 40-60 kg N/ha.

In der Rechnung für die tatsächliche Ausbringung des Gärrestes  werden jetzt die N-Anrechenbarkeit bzw. die Ausbringverluste berücksichtigt. Bei angenommenen 70 % Mineraldüngeräquivalent rechnen wir 3,8 kg N/m³ x 0,7 x 15 m³/ha = 40 kg N/ha die der Zwischenfrucht zur Verfügung stehen.

Bezieht man jetzt die unsicheren Faktoren Reststickstoff nach der Ernte, weitere Mineralisation und eventuelle Auswaschung mit ein,  so liegt man mit Sicherheit in einer Größenordnung die den an dieser Stelle errechneten N-Düngebedarf überschreitet.

Ergebnisse

Nachfolgend finden Sie Ergebnisse den Nachernte-Nmin-Beprobung sowie von der Nmin-Beprobung am 23. Oktober 2017.

Im November wurde eine zweite Serie Nmin Proben entnommen und zusätzlich wurde das Pflanzenmaterial (ober- und unterirdisch) beprobt.

Parzelle 2 stellt die Zwischenfrucht ohne Düngung dar. Im Vergleich zu den anderen Parzellen ist der gemessene Nmin-Wert niedergier ausgefallen. Insbesondere der direkte Vergleich mit dem Nachernte-Nmin-Wert und Parzelle 1 (keine ZF/keine Düngung) macht deutlich, dass die Zwischenfrucht einen erheblichen Anteil des Stickstoffs vor der Verlagerung gesichert hat.

Der weitere Vergleich der Varianten erfolgt unter Berücksichtigung der Ergebnisse zum Pflanzenmaterial. Weiterhin ist davon auszugehen, dass prinzipiell durch die bisher starken Niederschläge ein Großteil des Stickstoffs verlagert wurde.

Checkliste

  • Die ZF frühestmöglich nach der Ernte einbringen, um Auswaschungsverluste zu vermeiden und einen guten Aufwuchs der ZF zu gewährleisten
  • Die Auswahl der Zwischenfruchtmischung geschieht betriebsspezifisch und fruchtfolgeangepasst
  • Andüngung Pflanzenbedarfsgerecht, als Richtlinie nach den Vorgaben der Lwk Nds.
  1. Maximale Ausbringmenge ermitteln (30/60-Regelung)
  2. N-Düngebedarf nach der Entscheidungsmatrix ermitteln
  3. Abgleich der Maximalen Ausbringmenge nach 30/60-Regelung (ohne Berücksichtigung jeglicher N-Verluste) und nach N-Düngebedarf (inkl. Berücksichtigung von Ausbringverlusten)
  • Bei der Berechnung des Mineraldüngeäquivalents nicht den Mindeststandard verwenden, da die Wirtschaftsdünger spätestens im „Nährstoffvergleich“ stärker bewertet werden

Unter Aspekten des Gewässerschutzes ist es in der Regel nicht notwendig die Zwischenfrucht „anzudüngen“. Nach den Hauptkulturen ist ausreichend Stickstoff im Boden vorhanden, um die Zwischenfrucht zu versorgen. Zusätzlich kann noch eine weitere Mineralisation stattfinden, die nach der Ernte zu noch höheren Nmin-Werten führt. 

Kulturspezifisch (z.B. Bodenbewegung bei Kartoffelernte, vorangegangener Düngung und erreichter Entzug, etc.) und in Abhängigkeit des Klimas gilt es das Potenzial der Stickstoff-Nachlieferung nach der Ernte er Hauptkultur richtig einzuschätzen.

Diesen Überschuss zum Herbst gilt es bestmöglich vor der Auswaschung zu „retten“. Und genau aus diesem Grund bedienen wir uns an dem Hilfsmittel Zwischenfruchtanbau.

Standort

Bodenart: l’s

Humus: 2,7 %

pH-Wert in Klasse B – 5,7

P in Klasse C – 9 mg/100gBoden

K in Klasse B – 4 mg/100gBoden

Mg in Klasse C – 6 mg/100gBoden

Bodendaten NIBIS

Bodentyp: Podsol (Ap/Ahe/Ae/Bhs) 0-10 dm

Hauptbodenart: mittelsandiger Feinsand (fSms)